Deutsche Journalisten und Akademiedozenten informieren sich im Vorfeld der Nahost- Friedensverhandlungen über den Alltag der Studierenden in Bethlehem
13. November 2007
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Besucher der Gesellschaft Katholischer Publizisten und der Thomas Morus Akademie beim Gedankenaustausch mit Studierenden der Universität Bethlehem |
Am gestrigen Montag, den 12. November 2007, zwei Wochen vor dem geplanten Beginn der Nahost-Friedensverhandlungen in Annapolis (USA) besuchten Journalisten der Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) und Lehrende der Thomas-Morus-Akademie in Bensberg bei Bergisch Gladbach die Universität Bethlehem (BU).

Froh über das große Interesse aus Deutschland: Rektor Bruder Daniel Casey
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Nach einem Mittagessen im universitätseigenen Institut für Hotelmanagement und Tourismus begrüßte Rektor Bruder Daniel Casey die Besucher in der Aula der Universität und drückte seine Freude über das große Interesse an der Universität Bethlehem aus, das in Deutschland besteht.
Angesichts der Tatsache, dass unter den fünf anwesenden Studierenden, die die deutschen Besucher willkommen hießen, vier junge Frauen und nur ein junger Mann waren, betonte Bruder Daniel, dass die Universität Bethlehem mit einem Frauenanteil von zwei Dritteln der Studierenden „eine zentrale Rolle dabei spielt, jungen Frauen, sowohl Christinnen als auch Musliminnen, gleichwertige Ausbildungs- und Berufschancen zu bieten.“
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„Die Aufgeschlossenheit und das Selbstbewusstsein, das diese jungen Frauen ausstrahlen hat mich positiv überrascht. Sie entsprechen so gar nicht den Klischees, die in den westlichen Industrieländern über Frauen in der arabischen Welt herrschen.“, kommentierte einer der Besucher während der Diskussion.
Durch die anhaltende israelische Besatzung der Westbank ist es den jungen Palästinenserinnen und Palästinensern jedoch nicht möglich ein normales Leben zu führen. Bethlehem ist zu einem großen Teil von der israelischen Sperrmauer umgeben, und nur wenigen seiner Einwohner ist es erlaubt, ohne spezielle Genehmigung des israelischen Militärs die Westbank zu verlassen. So werden eigentlich selbstverständliche Dinge für den Großteil der Studierenden unmöglich. „Wir würden im Sommer gerne nach Tel Aviv oder Haifa fahren, um den Strand und das Meer zu genießen. Da ich einen palästinensischen Pass habe, bräuchte ich dazu jedoch eine Spezialgenehmigung und es ist beinahe unmöglich eine solche zu bekommen.“, erklärte Stephanie Nasser, die im dritten Jahr Informatik studiert.
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„Überraschendes Selbstbewusstsein“: Studentinnen Rawan Bannoura, Dana Bannoura, Stephanie Nasser und Vivian Ghobar, zusammen mit Dina Awwad |
Außerdem erinnerte sich Stephanie an weitaus drastischere Erfahrungen, die sie 2002 während der zweiten Intifada und der vom israelischen Militär verhängten Ausgangssperre machte.
„40 Tage lang wurden wir gezwungen in unserem Haus zu bleiben und durften es nur ein- bis zweimal in der Woche verlassen. Die Stromversorgung wurde gekappt und das israelische Militär hat die Wasserleitungen beschossen. Unter diesen Umständen mussten wir eineinhalb Monate Tag und Nacht auf engstem Raum zusammenleben. Es war furchtbar.“ Dina Awwad, die 2005 ihr Studium der Anglistik abschloss und jetzt im Büro für Öffentlichkeitsarbeit tätig ist, beschreibt die aktuelle Situation der Palästinenser folgendermaßen: „Wir sind gezwungen mit einem Gefühl ständiger Unsicherheit zu leben. Jeden Moment könnte irgendetwas passieren.“
Trotz aller Einschränkungen geben die jungen Erwachsenen ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht auf. „Die Unterhaltung mit diesen großartigen jungen Menschen hat mich sehr beeindruckt. Die Universität gibt ihnen wirklich eine Perspektive“, kommentierte Dr. Thomas Seiterich-Kreuzkamp, Redakteur bei der zweiwöchentlich erscheinenden Zeitschrift Publik Forum. Jürgen Springer, Redakteur bei der Wochenzeitschrift Christ in der Gegenwart , stellte abschließend fest: „Ich bin froh, diesen einzigartigen Ort besucht zu haben.“
Max Brenner, Universität Bethlehem |